Notice: Undefined index: HTTP_REFERER in /home/deflorin/www/simonadeflorin.ch/wp-content/themes/Simona Deflorin/single-exhibitions.php on line 7
BACK

Traumgesichte

Traumgesichte - Kornwestheimkornwestheim3l'enfant phénomène 1, 2008, Öl auf Leinwand, 176 cm x 70 cmGehhilfe, Öl auf Leinwand, 76 cm x 60 cm, 2012

Traumgesichte (Museum im Kleihues-Bau, Kornwestheim)
20. Dezember 2013 – 6. April 2014

Einführung: Dr. Irmgard Sedler (Leiterin der Museen der Stadt Kornwestheim)
Inspiriert von Simona Deflorins Bild „Gladiatorin“, das in einer Ausstellung in Gifu (Japan) im Jahr 2011 zu sehen war, benennt Keiko Ogawa in ihrem Gedicht, das mehr Senryū denn Haiku ist, einen wesentlichen Grundzug des Werks der in Basel lebenden Künstlerin: Deflorins Bildniskunst bleibt bei allem Facettenreichtum in der Motivwahl und in den künstlerischen Techniken letztlich immer nur eine Mythologie des Selbst, wobei dieses Selbst grundsätzlich den Menschen in seiner ganzen physischen wie psychischen Verletzbarkeit verkörpert.

Die Ausstellung im Kleihues-Bau vereint über dreißig Arbeiten aus Simona Deflorins Schaffen der letzten drei Jahre – Ölgemälde wie Aquarelle. Im Mittelpunkt steht die 2013 entstandene „Ahnen“-Reihe – Frauen- und Männerköpfe, die „konserviert“ unter einem Glassturz dem Betrachter dargeboten werden. Der durch den Titel hergestellte autobiographische Bezug definiert jedes Bild als ein Teil der Wurzel des künstlerischen Selbst.

Simona Deflorin bringt mit ihren Arbeiten neue Impulse in die klassische Porträtkunst ein. Die Künstlerin bedient sich der überlieferten Darstellungskonventionen, indem sie die körperlichen, wenn auch fragmentierten Erscheinungsbilder – Köpfe, die über das menschliche Antlitz individualisiert sind – in deren physiognomischer Einmaligkeit auf der Leinwand festhält, diese gar namentlich benennt („Miss Anton“, „Gina“, „João“). Allerdings sichert die Malerin damit keine reale Spuren, sie erfindet diese „Traumgesichte“, materialisiert in ihnen Angst und Verletzbarkeit und schafft eine Realität der Kunst, die Verstörtheit und Betroffenheit auslöst und aufwühlend emotional in ihrer Wirkung ist.

Wer die Ausstellung besucht und sich mit der Ästhetik des Versehrten auseinandersetzt, wie sie Simona Deflorin so eindringlich zu beherrschen vermag, der kommt als ein anderer heraus als der, der hineinging.
Irmgard Sedler